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ALAG AG & Co. KG: Falschberatung durch Anlageberater

Anleger dürfen sich grundsätzlich auf Aussagen des Vermittlers verlassen

Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied in einer aktuellen Entscheidung erneut für die Schutzwürdigkeit von Kapitalanlegern. Ein Anlageberater hatte Anlagen im Rahmen eines Konzepts (ALAG AG & Co. Co. KG), das Vermietungen, damit verbundene Dienstleistungen und Leasing von Pkw umfasste, als geeignet für eine verbesserte Altersvorsorge und steuerlich vorteilhaft angepriesen. Dabei klärte der Berater den Anleger nicht oder nicht vollständig über mögliche Risiken des Marktes, anfallende sogenannte weiche Kosten (z.B. Kosten für die Fondsverwaltung, die Steuerberatung u.w.) und vor allem nicht über das Totalverlustrisiko der Anlage auf, um das Produkt attraktiver erscheinen zu lassen. Es kam, wie es kommen musste, die investierten Gelder gingen verloren. Der Anleger verklagte den Berater und erhielt vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt recht – aber nur im Umfang von 50 % des Schadens. Die OLG-Richter sahen beim Anleger ein erhebliches Mitverschulden, weil sich dieser völlig auf die Angaben des Beraters verlassen hatte und sich selbst nicht über mögliche Risiken des Produkts informierte. Dem widersprach der BGH nun deutlich.

Ein Mitverschulden sei demjenigen anzulasten, der die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt, um sich selbst vor Schaden zu bewahren. Es wird also nicht jeder Leichtfertige geschützt. Allerdings sei die erforderliche Sorgfalt besonders zu bewerten, wenn sich jemand professionell beraten lässt, weil dadurch gerade deutlich wird, dass der Ratsuchende selbst keine Sachkunde auf dem Gebiet besitzt. In einem solchen Fall, dürfe sich der Unkundige regelmäßig auf die Richtigkeit und Vollständigkeit der ihm erteilten Aufklärung und Beratung verlassen. Eine Ausnahme sei davon nur zu machen, wenn der Geschädigte über eigene Sachkunde oder über zusätzliche Informationen von dritter Seite verfügt.

Eine solche Ausnahme war im vorliegenden Fall nicht zu machen. Stattdessen galt laut dem BGH-Senat der Erfahrungssatz, dass ein Anleger, der bei seiner Entscheidung die besonderen Erfahrungen und Kenntnisse eines Anlageberaters in Anspruch nimmt, den Ratschlägen, Auskünften und Mitteilungen des Beraters, die dieser in einem persönlichem Gespräch unterbreitet, besonderes Gewicht zumisst und auch zumessen darf. Eine besondere Leichtsinnigkeit des Anlegers, die eine Kürzung seines Anspruchs gegen den Berater rechtfertigen würde, sei somit nicht zu erkennen gewesen.

Der BGH hat also wieder einmal deutlich gemacht, dass Kapitalanlagenvermittler keinen Freifahrtschein auf Kosten der Anleger haben. Sie müssen dem ihnen entgegen gebrachten Vertrauen auch gerecht werden und können sich nicht auf die Unwissenheit ihrer Kunden berufen. Sollten Sie auch durch falsche Versprechungen oder ohne tatsächliche Kenntnisse der Risiken zu einer Kapitalanlage verleitet worden sein, stehen Ihnen nicht nur Ansprüche gegen die Fondsinitiatoren, sondern auch gegen die verharmlosenden Berater zu. Herr Thomas Kreyenkötter ist Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in der Kanzlei RSW Beratung mit Sitz in Münster, Dülmen und Steinfurt. Er steht Ihnen gern zur Verfügung, wenn Sie gegen die Verantwortlichen gerichtlich oder außergerichtlich vorgehen möchten.

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