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11.08.2015
08:35

Wölbern Invest: Strafurteil gegen Dr. Heinrich Maria Schulte

Revision zum BGH veranlasst

Ein Beitrag von Rechtsanwalt Thomas Kreyenkötter, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, und von Katharina Jule Engler, studentische Hilfskraft.

Der Kopf des großen Wölbern Invest- Skandals Dr. Heinrich Maria Schulte wurde im April dieses Jahres vom Landgericht (LG) Hamburg zu 8 Jahren und 6 Monaten Haft wegen gewerbsmäßiger Untreue verurteilt. Die Staatsanwaltschaft, die eine Strafe von 12 Jahren gefordert hatte, und Schultes Verteidiger, die auf Freispruch plädierten, legten Revision ein, so dass der Fall nun vor dem Bundesgerichtshof (BGH) verhandelt werden wird. 

Damit verlängert sich allerdings für Schulte seine bereits knapp 2 Jahre andauernde Untersuchungshaft auf unbestimmte Zeit. Der Richter des LG sah bei Schulte Fluchtgefahr als gegeben an und ordnete somit das Verbleiben Schultes in der U-Haft bis zum Ende des Revisionsverfahren an. Mit der Länge der Untersuchungshaft kommt ein weiterer Negativrekord zu den übrigen dieses aufsehenerregenden Prozesses hinzu.

Es handelt sich bei dem Strafmaß der 8 ½ Jahre bereits um die längste Haftstrafe, die in einem Wirtschaftsstrafprozess bisher verhängt wurde. Aber auch die veruntreute Summe bricht Rekorde. Rund 147 Mio. € hat Schulte mit 327 Einzelakten aus den Fondskassen von Wölbern Invest veruntreut. Auch wenn er ca. 31 Mio. € zurückzahlte, bleibt immer noch ein Minus im Umfang von 115 Mio. € in den Büchern stehen. Von dem entnommenen Geld hat Schulte rund 50 Mio. € für sein eigenes Privatvermögen aufgewendet. 

Hintergründe

Heinrich Maria Schulte lehrte bis 1993 als Professor für Innere Medizin an der Universität in Kiel. Er ist Facharzt für Endokrinologie, also Spezialist für die Behandlung von Hormon- und Stoffwechselerkrankungen. Gemeinsam mit anderen Spezialisten dieses Gebiets gründete er 1993 das Biotechnologie- Unternehmen „Evotec“. Im Börsenboom- Jahr 1998 konnte Schulte seine Anteile sehr gewinnbringend verkaufen. Auch bei der Gründung des „endokrinologikum“, einem Verbund medizinischer Versorgungszentren mit mittlerweile Standorten in ganz Deutschland und über 170 beschäftigten Ärzten, engagierte sich Dr. Schulte. 

Es folgte nach dem Verkauf der Evotec- Anteile eine weitere Konzentration des Arztes auf den Wirtschaftsbereich: Im Jahr 2006 landete Schulte den Coup, das Hamburger Traditionsbankhaus Wölbern zu erwerben. Im Rahmen der Finanz- und Wirtschaftskrise brachen die Erfolge dann allerdings ein. Das Bankgeschäft wurde vom Fondsgeschäft getrennt und verkauft. Das Emissionshaus Wölbern bot insbesondere Anlagen an, die in den Niederlanden geschlossene Immobilienfonds finanzierten. Rund 35.000 Anleger beteiligten sich mit etwa 1,1 Mrd. €. Die in Schieflage geratenen Fonds ließ Schulte durch besser aufgestellte Fonds langfristige Kredite, sogenannte Anleihen, zukommen. Im Interesse der Anleger hätte dafür eine Sicherheit gewährt werden müssen, diese existierte aber nur auf dem Papier. Angeblich sollte bei Zahlungsunfähigkeit auf die wirtschaftliche Verwertung eines Medikaments gegen Blasenkrebs zurückgegriffen werden können. Dieses Medikament wurde aber noch nicht erfunden. Die Kredite konnten nicht bedient werden.

Verknüpfung der Anwaltskanzlei Bird & Bird LLP

Äußerst fragwürdig ist auch die Verstrickung der beratenden Rechtsanwaltskanzlei Bird & Bird LLP, die Schulte angeblich maßgeblich bei diesem Täuschungskonstrukt geholfen haben soll. Die Wölbern- Fonds, die mittlerweile von Paribus Fondsdienstleistung GmbH übernommen wurden, erhoben eine Schadensersatzklage im Umfang von 166 Mio. € gegen Bird & Bird, was deren Überzeugung von der Verantwortlichkeit der Kanzlei belegt. Eine Schadensersatzklage gegen diese gut versicherte Kanzlei ist im Übrigen auch eindeutig erfolgsversprechender als eine Klage gegen Schulte selbst. Denn dessen Schuld ist zwar nun (vorläufig bis zur Revision) durch das Strafurteil bewiesen und somit auch seine zivilrechtliche Haftung nahezu sicher, wegen seines eingeleitetem Insolvenzverfahrens dürfte bei ihm allerdings nichts zu holen sein. 

Schulte selbst sieht sich laut Berichten ebenfalls als Geschädigter der Kanzlei. Im Jahr 2009 wandelte er Wölbern Invest auf Anraten der Anwälte von einer Aktiengesellschaft in eine Kommanditgesellschaft um, deren einziger persönlich haftender Gesellschafter er selbst war.

In der Kanzlei RSW Beratung, mit Sitz in Münster, Steinfurt, Dülmen und Nordhorn, praktiziert Herr Rechtsanwalt Thomas Kreyenkötter, der die Qualifikation als Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht erworben hat. Wenn auch Sie Anleger bei Wölbern Invest waren oder sind und parallel zu der Schadensersatzklage der Fondsgesellschaften gegen Bird & Bird persönlich gegen die Kanzlei vorgehen wollen oder sich gegen ihren Anlagenvermittler, der Ihnen ihre Anteile empfahl, wenden möchten, steht Ihnen Herr Kreyenkötter gerne für ein beratendes Gespräch an unseren Standorten oder telefonisch zur Verfügung.

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24.03.2015
09:11

Wölbern: Schadensersatzklagen angestrengt

Aufarbeitung der Krise noch lange nicht abgeschlossen

Nachdem die Wölbern Invest Fonds von der Paribus Fondsdienstleistungs GmbH zur Verwaltung Anfang 2014 übernommen wurden, war zunächst Ruhe eingekehrt für die gebeutelten Anleger. Die Aufarbeitung der Wölbern- Krise ist aber längst nicht abgeschlossen. Scheinbar hat Paribus nur Zeit zum Atemholen und Vorbereiten gebraucht und strengt nun Schadensersatzklagen gegen die möglichen (Mit-)Verantwortlichen des großen Skandals um die unrechtmäßigen Geldentnahmen unter dem ehemaligen Wölbern- Chef Dr. Heinrich Maria Schulte an. 

Im Dezember verklagten die Fonds „Wölbern Holland 65“ und „Wölbern Holland 68“ die Alfida Treuhand- und Beratungs-GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Den Wirtschaftsprüfern wird vorgeworfen die Vermögens- und Ertragslage der Fonds aus dem Jahr 2011 falsch dargestellt zu haben. Thomas Böcher, Geschäftsführer der Paribus GmbH, sagte dazu: „Durch die vorgelegten Testate und den damit erzeugten Schein der Legalität konnten weder die Gesellschaft noch die beteiligten Banken rechtzeitig die unrechtmäßigen Geldentnahmen verhindern.“ Bei der Schadensersatzforderung geht es um vorläufig rund 850.000 €. 

Noch weitgreifender ist der Prozess, den 29 Wölbern-Fondsgesellschaften mit dem Dr. Tjark Thies, Insolvenzverwalter über das Vermögen der „Wölbern Invest“ und „Wölbern Fondsmanagement“, gegen die Anwaltskanzlei Bird & Bird und drei (zum Teil ehemaligen) Anwälten dieser Sozietät seit Januar anstrengen. Dabei beläuft sich der geforderte Schadensersatz auf 166 Mio. €. Den Anwälten wird vorgeworfen, dem Treiben des Prof. Dr. Schulte massive Rückendeckung und darüber hinaus auch die nötigen Ideen für die Umsetzung der Unterschlagung gegeben zu haben. Eine Sprecherin von Bird & Bird äußerte sich insoweit, dass sich die Kanzlei stets im rechtlich zulässigen Rahmen bewegt habe und somit an keiner Stelle Rechtsverletzungen legitimierte.

Es bleibt abzuwarten, ob die Klagen und Forderungen gegen mögliche Verantwortliche Erfolg haben werden. Herr Böcher von Paribus machte jedenfalls deutlich, dass die Wölbern- Fonds bis heute unter der unrechtmäßigen Geldentnahme leiden.

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20.02.2014
11:12

Nach den Untreue-Ermittlungen

Neues Management soll Ruhe bei Wölbern einkehren lassen

Im letzten Jahr durchlebte Wölbern Invest schwere Zeiten: Dem Untreuevorwurf gegen Geschäftsführer Prof. Heinrich Maria Schulte folgte Ende Oktober die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Für Anleger, die weiterhin um ihr bei Wölbern investiertes Kapital bangen, gibt  es in diesem Jahr nun erstmals wieder gute Nachrichten. 

Der Hamburger Finanzanbieter Paribus hat zum 1. Januar 2014 das Management der Wölbern-Fonds übernommen und auch einen Austausch der Geschäftsführer herbeigeführt. Dieser Coup war ohne Gesellschafterbeschluss möglich, weil Paribus die geschäftsführenden Gesellschaften direkt erworben bzw. in Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter Geschäftsbesorgungsverträge herbeigeführt hat. 

Zunächst einmal hat das neue Management den geplanten Paketverkauf von Fondsimmobilien abgeblasen. Dieser hatte für Kritik gesorgt, weil die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit eines Verkaufs im Paket angezweifelt worden war.

Anleger können nun hoffen, dass Wölbern unter neuem Management auf stabilere Zeiten zusteuert und für die einzelnen Fonds wirtschaftliche Lösungen entwickelt werden. Dazu wird aber zunächst ermittelt werden müssen, wie groß der Schaden ist, der den Fonds durch die Entnahmen von Ex-Geschäftsführer Schulte zugefügt worden ist. Bis dahin heißt die Devise weiterhin abwarten.

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