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19.01.2016
11:33

Insolvenz der EEV AG

Anleger stehen am Ende der Gläubigerreihe

Ein Beitrag von Herrn Rechtsanwalt Thomas Kreyenkötter, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, und von Katharina Jule Engler, studentische Hilfskraft.

Anleger, die mit gutem Gewissen in zukunftsträchtige Technologien investieren wollen, müssen das „Risiko des Neulands“ hinnehmen. Nachdem der Windenergie- Vorreiter Prokon mit seinem Genussrechtemodell Insolvenz anmelden musste, dürfte das Risikobewusstsein für die Branche der erneuerbaren Energien gestiegen sein. In einem weiteren Fall sind nun die guten Hoffnungen enttäuscht worden: Die Erneuerbare Energie Versorgung AG (EEV AG) hat am 26. November 2015 beim Amtsgericht Meppen einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt.

Fast 2500 Anleger, die ca. 16,7 Mio. € in Genussrechten und ca. 9,5 Mio. € in „partiarische“ Darlehen investierten, hat die EEV AG mit ihren Ideen anwerben können. Geplant war der Kauf eines Biomasseheizkraftwerkes in Papenburg und die Entwicklung eines Offshore Windparks (Projekt Skua).

Die EEV BioEnergie GmbH & Co. KG und die EEV OWP Skua GmbH

Tatsächlich wurde das Biomasseheizkraftwerk 2012 durch die Tochtergesellschaft EEV BioEnergie GmbH & Co. KG erworben. Allerdings konnte der Kaufpreis an die Vorbesitzergesellschaft ETANAX Holding nicht vollständig aufgebracht werden. Von der EEV AG wurde insbesondere ein technischer Defekt im Jahr 2014, der das Kraftwerk einige Monate zum Stillstand zwang und natürlich einen hohen Kostenaufwand für die Reparatur beanspruchte, als Grund für die Zahlungsschwierigkeiten angegeben. Die Gründe mögen verständlich sein – die Zahlungsunfähigkeit der GmbH & Co. KG konnten sie trotzdem nicht verhindern. Zwei Tage vor der Muttergesellschaft wurde auch für die Tochter ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Zuständig ist Herr Dr. Dietmar Penzlin, der auch der Insolvenzverwalter für die Prokon AG ist. Das Kraftwerk wird offensichtlich auch in der Insolvenz noch fortgeführt. Rechtlich sind Tochtergesellschaft und Muttergesellschaft allerdings zu trennen.

Ebenfalls getrennt zu betrachten, ist die Tochtergesellschaft EEV OWP Skua GmbH. Diese ist die Verantwortliche für die Projektierung des Offshore Windparkprojekts Skua. Trotz weiterhin noch ausstehender Genehmigung des Projektes durch die zuständige Behörde steht dieser EEV- Tochter nach Mitteilung des EEV AG- Insolvenzverwalters keine Insolvenz in Aussicht. Trotzdem lässt sich mit dem Verkauf eines Windparks kein Gewinn erwirtschaften, solange es mangels Genehmigung keinen Park gibt. Keine Gewinne – keine Zahlungen an die Muttergesellschaft.

Die EEV AG

Weil die EEV AG rechtlich ein eigenständiges Konstrukt ist, musste sie Anteile an den beiden Tochtergesellschaften käuflich erwerben wie jeder Dritte es auch gemusst hätte. Aus diesen Käufen und aus aufgelaufenen Kosten und Zinsen bestehen Verbindlichkeiten in Höhe von 18 Mio. €, die offensichtlich nicht mehr angemessen bedient werden können (zum Vergleich der Dimensionen: ursprünglich wurden rund 26 Mio. € Anlegergelder eingeworben, geplant waren 38 Mio. €). Deshalb wurde Herr Rechtsanwalt Stefan Denkhaus vom Amtsgericht Meppen als vorläufiger Insolvenzverwalter damit beauftragt um die Geschäfte der EEV AG zu übernehmen.

Anlagemodelle

Zwei Drittel der Anleger der EEV AG haben durch ihre Investition Genussrechte und ein Drittel partiarische Darlehen erworben. Bei Genussrechtsmodellen stellt der Genussrechteinhaber (hier also der private Anleger) dem Unternehmen Kapital zur Verfügung. Im Gegenzug wird ihm ein Recht versprochen, zum Beispiel ein Anspruch auf einen Teil des Gewinns des Unternehmens. Das Risiko liegt auf der Hand: Statt einen kleinen Teil des Unternehmens zu erwerben (wie es zum Beispiel bei einer Aktie oder einer Beteiligung als Kommanditgesellschafter der Fall ist), hat der Anleger nur einen Anspruch. Sollte das Unternehmen den Anspruch wegen einer Zahlungsunfähigkeit nicht bedienen können, kann der Anleger den Anspruch nicht weiterverkaufen, weil niemand ein Interesse an einem insolventen Schuldner hat.

Bei dem Modell der partiarischen Darlehen wird der Anleger zum Darlehensgeber, er verleiht Geld an ein Unternehmen. Er hat somit einen Anspruch auf Rückzahlung des Geldes. Bei Kreditvergaben werden normalerweise Zinsen als Bezahlung für die Geldüberlassung vereinbart. Beim partiarischen Darlehen besteht die Bezahlung dagegen in der Regel hauptsächlich in einem Anspruch auf die Beteiligung am Gewinn des geldleihenden Unternehmens.

Somit sind sich partiarisches Darlehen und Genussrecht sehr ähnlich. Bei beiden Modellen steht bei einer Zahlungsunfähigkeit dem Anleger kein Sachwert zu. Dagegen sind sie sogar oft so konstruiert, dass ihre Inhaber in der üblicherweise langen Schlange von Gläubigern als Allerletzte an die Reihe kommen. Anleger, die sich auf solche Modelle einlassen, müssen somit sehr risikofreudig sein und/oder ein großes Vertrauen in das finanzierte Unternehmen besitzen. Vertrauen baut sich durch Informationen auf – und an dieser Stelle haken sich mögliche Schadensersatzansprüche ein.

Fragen über Fragen

Wurden Anleger der EEV AG ausreichend darüber aufgeklärt, welche Risiken bestehen? Wurde mitgeteilt, dass Ansprüche der Bundeswehr der Planung des Offshore Windparks entgegenstehen könnten bzw. das Genehmigungsverfahren derart verzögern können? Wieso und in welchem Bezug ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig im Umfeld der EEV AG? Welche Fehler machten Anlagenberater und -vermittler und welche die EEV AG selbst? Hatte das auch tatsächlich eine Auswirkung auf Ihre Anlageentscheidung? Diese Fragen können nicht pauschal beantwortet werden, sondern hängen vom Einzelfall ab. Sind Sie ein Anleger der EEV AG und fühlen sich nicht in der Lage, die Fragen zu beantworten? Herr Rechtsanwalt Thomas Kreyenkötter ist Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und hat bereits Anleger bezüglich der Prokon- Insolvenz vertreten, bei der es ebenfalls ein Genussrechte- Anlagemodell gab. Er ist somit ein guter Ansprechpartner für alle Fragen, die bezüglich der Insolvenz der EEV AG aufkommen. Sie erreichen ihn über die Kanzlei RSW Beratung (Sitz in Münster, Dülmen, Steinfurt und Nordhorn).

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06.01.2015
11:17

Prokon: Unverbindliche Befragung zu alternativen Insolvenzplänen beendet

Verbindliche Entscheidung Anfang 2015 zu erwarten

Der Insolvenzverwalter des Genussrechteanbieters PROKON Regenerative Energien GmbH Dr. Dietmar Penzlin treibt die Sanierung des Unternehmens weiter voran. Er erarbeitete zwei alternative Insolvenzpläne, die er den Genussrechtinhabern Ende November in einer unverbindlichen Befragung vorstellte. Rund 51.000 Genussrechteinhaber beantworteten die Befragung, so dass an den Ergebnissen bereits Tendenzen für die bevorstehenden Entscheidungen abgelesen werden können.

Zum einen haben die Gläubiger Prokons auf der nächsten Gläubigerversammlung die Möglichkeit, für den „Genussrechtsinhaber-Insolvenzplan“ zu stimmen. Dieser sieht vor, dass sich die Genussrechteinhaber langfristig unternehmerisch an Prokon beteiligen, also Anteile des Unternehmens erwerben. Dabei müssten sie allerdings zunächst auf einen Teil ihrer Investitionen verzichten. Von den Befragten sprachen sich ca. 34.000 mit einem gemeinsamen Genussrechtskapital von rd. 780 Mio. € für diese Variante aus.

Der alternative „Investoren-Insolvenzplan“ sieht dagegen einen Verkauf der Unternehmensanteile an einen außenstehenden Investor vor. Der erzielte Verkaufserlös stände dann zur Gläubigerforderungen zur Verfügung. Für diese Variante entschieden sich die übrigen 17.000 an der Befragung teilnehmenden Genussrechteinhaber mit einem Gesamtkapital von 320 Mio. €. 

Die verbindliche Befragung mit konkreteren Informationen soll nun vorbereitet und zeitnah an die Genussrechteinhaber verschickt werden. Laut veröffentlichter Mitteilung bereitet Herr Dr. Penzlin weiterhin beide Möglichkeiten vor, befindet sich somit auch auf der Suche nach einem passenden Investor, obwohl diese Alternative vorläufig weniger Stimmen erhielt. 

Trotz dieses Mut machenden Aktionismus ist ein völlig glimpflicher Ausgang bei beiden Alternativen nicht zu erwarten. Es sei weiterhin mit einem Verzicht auf Forderungen in Höhe von bis zu 50 % zu rechnen. Machen Sie von Ihren Rechten Gebrauch, wenn Sie einen Schaden erlitten haben. Für eine Beratung steht Ihnen der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Herr Thomas Kreyenkötter von der Kanzlei RSW Beratung zur Verfügung. Sie erreichen ihn telefonisch oder an den Kanzleistandorten in Münster, Dülmen oder Steinfurt.

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09.05.2014
06:22

Prokon: Insolvenzverfahren eröffnet

Höhe der Insolvenzquote noch im Dunkeln

Am 1. Mai ist über den in Schieflage geratenen Windparkfinanzierer Prokon das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Das Unternehmen hatte seine Forderungen nicht mehr bedienen können, nachdem verunsicherte Anleger ihre Genussrechte massenhaft gekündigt hatten. Im Verlauf des Insolvenzverfahrens müssen zahlreiche Gläubiger berücksichtigt werden. Äußerungen des Insolvenzverwalters Dr. Dietmar Penzlin zufolge ist dabei mit einer Insolvenzquote zwischen 30 und 60 Prozent zu rechnen.

Genaueres wird sich erst im Fortgang des Verfahrens herauskristallisieren. Das Kerngeschäft von Prokon im Bereich Windparks wird allerdings erhalten bleiben können, so der Insolvenzverwalter. Für den 22. Juli ist eine Gläubigerversammlung geplant, in der über das weitere Verfahren abgestimmt werden soll.

Besonders wichtig für Inhaber von Genussrechten ist, dass sie ihre Forderungen im Insolvenzverfahren bis zum 15. September 2014 anmelden müssen. Nur so können sie im Verfahren berücksichtigt werden. Geschädigten Anlegern ist angeraten, sich mit ihren Fragen an einen Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht zu wenden. Fachanwalt Kreyenkötter unterstützt Sie in der Kanzlei RSW Beratung in Münster, Dülmen und Steinfurt gerne bei der Geltendmachung Ihrer Forderungen im Insolvenzverfahren.

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BaFin informiert über Grauen Kapitalmarkt

Appell an Anlegerverantwortung

Eine neue Veröffentlichung der BaFin (siehe hier) informiert Anleger über Chancen und Risiken auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt. Dieser umfasst Finanzanbieter, deren Geschäftsmodell keiner Erlaubnis durch die BaFin bedarf und die nur einer geringen staatlichen Regulierung unterliegen. Häufige Produkte in diesem Bereich sind zum Beispiel Unternehmensbeteiligungen, Genussrechte oder Orderschuldverschreibungen. 

Für Anleger bieten sich dabei häufig verlockende Renditeversprechen, die auf einem soliden Geschäftsmodell zu fußen scheinen. Solide Anlagen sind auf dem Grauen Kapitalmarkt durchaus zu finden, dennoch ist Vorsicht geboten. Aufgrund der geringen gesetzlichen Regulierung ist es unerlässlich, dass vor einer Anlageentscheidung eine genaue Prüfung des Investments erfolgt. Zwar sind, vor allem im Zuge der Finanzkrise, in den letzten Jahren neue Regulierungsvorschriften verabschiedet worden. Diese umfassen jedoch längst nicht alle Investments.

Einen guten Anhaltspunkt zur Prüfung der angebotenen Anlage bietet der Prospekt. Vor einer Investition sollte dieser sorgfältig durchgelesen und überprüft werden. An dieser Stelle appelliert die BaFin an die Verantwortung der Anleger. Der Graue Kapitalmarkt sei eine natürliche Folge der Gewerbefreiheit und der Privatautonomie und damit per se nichts Schlechtes. Anleger sollten sich dessen bewusst sein und sich nicht ausschließlich auf staatlichen Schutz verlassen, wenn sie auf dem Grauen Kapitalmarkt tätig werden. Um selbst eine informierte Entscheidung treffen zu können, bietet die BaFin hier eine Checkliste an, anhand derer unseriöse Angebote identifiziert werden können.

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22.04.2014
09:48

Prokon: Insolvenzverwalter plant Sanierung

Geschäftsführer Rodbertus entlassen

In das undurchsichtige Geschehen bei Prokon kommt etwas Bewegung: Der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin strebt eine Eröffnung des Insolvenzverfahrens für Anfang Mai an. Nach seinen Angaben liegen mittlerweile drei verschiedene Gutachten zum Zustand des angeschlagenen Windparkfinanzierers vor, die allesamt auf eine Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens hindeuteten. 

Als erste Maßnahme hat der Insolvenzverwalter mittlerweile den Prokon-Gründer und Geschäftsführer Carsten Rodbertus sowie den Geschäftsführer Rüdiger Gronau von ihrer Arbeit freigestellt. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit den beiden sei nicht mehr möglich gewesen, so die Begründung. Für die Zukunft des Unternehmens erwartet der Insolvenzverwalter, dass zumindest der Kernbereich Windkraftanlagen das Insolvenzverfahren überstehen wird. Der Bereich sei solide aufgestellt und könne weitergeführt werden. Wie es um die weiteren Sparten des Unternehmens steht, wird sich wohl im Verlauf des Insolvenzverfahrens zeigen. Insolvenzverwalter Penzlin hält eine erste Gläubigerversammlung im Juli für realistisch, die weitere Klarheit bringen dürfte.

Bis dahin heißt es für betroffene Inhaber von Genussrechten, die weitere Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Als Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht berate ich Sie in unserer Kanzlei RSW Beratung in Münster, Dülmen und Steinfurt zu den Aussichten für Ihr Kapital im kommenden Insolvenzverfahren und unterstütze Sie bei der Geltendmachung Ihrer Rechte.

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